KW-04-2016: Leonard Cohen und … The Simple Minds? Mit den Simple Minds hatte Leonard Cohen nicht zu tun, auch nicht mit Jim Kerr. Kerr allerdings outete sich in Interviews stets gerne als Fan der großen Singer/ Songwriter wie Bob Dylan, Lou Reed oder auch Leonard Cohen. Damit hatte es sich dann allerdings auch. Gecovert haben die Simple Minds Bob Dylan, nicht aber Leonard Cohen. Leider auch nicht auf der DeLuxe-Edition vom Album “Once Upon A Time”. Dafür gibts darauf andere singer/ songwriterische Goodies.

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Im Frühjahr letzten Jahres erschien bereits die gefeierte Deluxe-Box SPARKLE IN THE RAIN („[ein] beeindruckendes Boxset.” **** Q Magazine).Ende des letzten Jahres legt Universal Music Catalogue die Deluxe-Box ONCE UPON A TIME nach und setzt damit die Wiederbelebung des spannenden, vielschichtigen und einflussreichen Werks der SIMPLE MINDS fort.

ONCE UPON A TIME erschien ursprünglich im Oktober 1985 und wurde mit zwei Millionen verkauften Exemplaren, der #1-Platzierung in Großbritannien, sowie Top 10 in den USA zum bisher erfolgreichsten Album der Simple Minds. Vier Top 20-Singles wurden aus diesem Album ausgekoppelt und es war der Startschuss für eine 15-monatige Welttournee, mit der die Band 1986 fast ununterbrochen in der Presse war. Mit dem Produzenten-Dreamteam Jimmy Iovine & Bob Clearmountain, und dem unverwechselbaren Artwork, das die Handschrift von Anton Corbijn trug, hatte das Album ONCE UPON A TIME alles, was ein 80er-Jahre Klassiker braucht.

Nach der Veröffentlichung von SPARKLE IN THE RAIN spielten die Simple Minds 30 Konzerte in den USA als Support für The Pretenders. Da die Hallen fast leer und das Publikum relativ uninteressiert war, endete die Promokampagne zum Album auf einem melancholischen Ton. Die Band ließ sich davon aber nicht entmutigen: Sie kamen im neu eröffneten Barwell Court in Esher im Süden Englands zusammen, um sich dort auf ihre Stärken zu besinnen, mit der Arbeit an neuem Material zu beginnen und sich auf eine Reihe von Neujahrskonzerten im Barrowlands vorzubereiten, für die ihnen ein gigantischer Empfang versprochen worden war. Sie gruben alte Demos aus, spielten mit existierenden Songs und ihren Arrangements und Melodien und versuchten fast alles auf der Suche nach den berühmten, aber seltenen, zündenden Ideen, aus denen schließlich neue Songs entstehen konnten. Als im November die Nächte länger wurden, schallte durch die eleganten Tudorgemäuer von Barwell Court die ersten Klänge von ONCE UPON A TIME: Es waren erkennbare, instrumentale Versionen von Ghost Dancing, I Wish You Were Here und Come A Long Way, die hier Formen annahmen.

Keith Forseys unerwarteter Besuch durchbrach die Routine. Ihr gemeinsames, amerikanisches Plattenlabel A&M hatten den Produzenten gebeten, die widerspenstigen Schotten dazu zu bringen, seinen Song Don’t You (Forget About Me) aufzunehmen. Als ihnen der Song zum ersten Mal angeboten wurde, lehnte die Band dankend ab, weil sie zu beschäftigt und ohnehin mit ihrem eigenen Material ganz erfolgreich waren. Aber sie liebten Soundtracks und hatten immer darauf geschielt, vielleicht selbst mal einen aufzunehmen – das war ihre Achillesferse. Forsey redete mit Engelszungen auf sie ein, aber die Band war noch immer nicht von seinem Demo begeistert. Andererseits mochten sie seine Hartnäckigkeit und hielten es für möglich, den Song ein wenig zu bearbeiten, so dass er zu ihrem Stil passen würde. So sagten sie zögerlich zu – allerdings unter der Bedingung, dass Kerr ein paar eigene Textzeilen hinzufügen konnte.

Aber Don’t You (Forget About Me) war schon bald wieder vergessen, denn die Proben für die Auftritte im Barrowlands gingen in die heiße Phase. In den Köpfen der Band war Don’t You (Forget About Me) nur ein Song auf einem Soundtrackalbum. Niemand sprach davon, ihn als Single veröffentlichen zu wollen oder dass es der Titeltrack sein würde. Aller Voraussicht nach würde er einfach auf einer LP unter vielen anderen großen Namen verschüttet werden. Aber der Track nahm bald ein ganz eigenes Leben an; die Plattenfirma liebte ihn, die amerikanischen Radiosender liebten ihn, und so drängte sich die Singleauskopplung förmlich auf. Die Simple Minds berührte diese Aufmerksamkeit anfangs kaum. Sie perlte an ihnen ab, da es in Amerika sowieso keine Rolle spielte, weil sie dort gänzlich unbekannt waren. Aber in Europa sah die Situation schon anders aus und so wurde schnell ein Veröffentlichungstermin festgelegt.

Nach dem durchschlagenden Erfolg der Barrowlands-Konzerte und den fantastischen Reaktionen auf die neuen Songs – Ghost Dancing hatten sie hier zum ersten Mal live gespielt – wünschte sich die Band die fast unerreichbaren Jimmy Iovine und Bob Clearmountain als Produzenten für ihr neues Album. Der Erfolg von Don’t You (Forget About Me) verhalf ihnen auch in den USA zu mehr Publicity, was bei diesem Vorhaben sicherlich nicht geschadet hat.

Sobald dieses Traumpaar mit im Boot war, ergab sich der Rest von selbst. Die finalen, groben Arrangements gingen bis Mai 1985 in Barwell Court weiter. Dann stießen Iovine und Clearmountain kurz dazu, um hier und da ein paar lose Enden auszumerzen und die Demos anzuhören. Iovine kümmerte sich außerdem um den kompositorischen Feinschliff von Alive And Kicking. Das Material klang gut und schließlich war das Fundament von Songs wie Alive And Kicking, All The Things She Said und verschiedenen anderen gelegt.

Im Juni setzten die Simple Minds die Arbeit in den Townhouse Studios fort: Es begannen die offiziellen Albumaufnahmen mit Once Upon A Time, Ghost Dancing, Alive And Kicking, Oh Jungleland, I Wish You Were Here und Come A Long Way. Weitere Aufnahmen und das Mixing waren für Ende des Monats in den ländlichen Bearsville Studios im Staat New York geplant, wo Bob Clearmountain seine Homebase hatte; das finale Mixing sollte bei Jimmy Iovine in den Right Track Studios in New York City stattfinden. Der Wechsel nach Amerika und Bearsville überschnitt sich zeitlich mit Live Aid. Zu der Band Aid-Single Do They Think It’s Christmas? waren die Simple Minds nicht eingeladen worden, aber für das Konzert wollte man sie haben. Da Don’t You (Forget About Me) in den amerikanischen Charts seinen langsamen Abstieg begonnen hatte und die Band am nächsten Tag in die Bearsville Studios gehen sollte, machte der Auftritt in Philadelphia Sinn. Am Tag nach der Live Aid-Performance fuhr die Band nach Bearsville, um die letzten Aufnahmen und das Mixing zum Abschluss zu bringen. Jetzt waren Iovine und Clearmountain die ganze Zeit anwesend. Iovines Kenntnisse über das amerikanische Musikgeschäft und sein erfahrenes Ohr für amerikanische Hits hatten einen starken Einfluss auf den Sound des Albums und die Simple Minds standen diesem Einfluss durchaus offen gegenüber.

Die Arbeit mit Iovine und seine Kontakte in New York hatten noch weitere Vorteile: Der Sound von David Bowies Young Americans war immer noch sehr präsent und Iovine schlug vor, für ONCE UPON A TIME dieselben Gastmusiker einzuladen. Es kostete kaum mehr als einen Anruf und schon war Robin Clark, eine der Sängerinnen auf Young Americans, im Studio und sang ihre charakteristische Stimme für Alive And Kicking, All The Things She Said und Once Upon A Time ein. Weitere Hintergrundsänger waren The Simms Brothers und Michael Been von The Call, mit dem eine enge Freundschaft entstand (auf ihrem Album BIG MUSIC (2014) coverte die Band sogar den Titel Let The Day Begin von The Call).

Als erste Singleauskopplung lag Alive And Kicking auf der Hand und so erschien der Song einen Monat vor ONCE UPON A TIME. Der neue Sound, das Artwork und das Video gaben einen Vorgeschmack auf das Album und in Großbritannien erreichte die Single dieselbe Chartposition wie der Vorgänger. In den USA schrammte sie nur knapp daran vorbei und kam auf Platz drei zum Stehen. Aber ONCE UPON A TIME überholte bei seiner Veröffentlichung im Oktober 1985 SPARKLE IN THE RAIN mit Leichtigkeit und verkaufte zwei Millionen Exemplare innerhalb der ersten zwei Monate. Es erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts und die Top 10 in den USA.

Die Geschichte von ONCE UPON A TIME war eng mit Don’t You (Forget About Me) verknüpft. Ohne diesen Song, der ihnen endlich auch in den USA die verdiente Anerkennung einbrachte, hätten Jimmy Iovine und Bob Clearmountain vielleicht nie ihre Zusammenarbeit zugesagt. Und doch war Don’t You (Forget About Me) immer der Außenseiter – der Song, der von jemand anderem stammte, eine Coverversion, die sie sich zu eigen gemacht hatten. Der Versuch, den Erfolg der Single mit Alive And Kicking zu wiederholen oder sogar zu übertreffen, gelang beinahe, aber der Aufstieg endete auf Platz 3 der Charts. Und obwohl die Band dem Soundtrack so viel zu verdanken hatte, schaffte es Don’t You (Forget About Me) nicht auf das Album. Diese Entscheidung ist auch heute, dreißig Jahre später, noch kontrovers. „Wenn ich über unsere vollendetsten Alben nachdenke, dann ist NEW GOLD DREAM (81,82,83,84) definitiv ganz vorne mit dabei“, sagte Kerr. „Es fühlt sich von vorne bis hinten komplett an. Und an ONCE UPON A TIME und BIG MUSIC würde ich auch rein gar nichts ändern. Für mich sind sie am vollständigsten. Der eine oder andere mag der Meinung sein, dass Don’t You (Forget About Me) mit drauf sein sollte; und die Entscheidung, es wegzulassen, überraschte viele – heute könnte man sich das nicht mehr erlauben. Das Album hätte doppelt so viel verkauft! Aber es ist sehr stimmig, so wie es ist; auch das Artwork – es ist alles auf den Punkt.“

Die ONCE UPON A TIME Deluxe-Box enthält sechs Discs mit remastertem Material: das Album, bisher unveröffentlichte Single-Mixe, alternative Versionen, längere Mixe, 2 CDs mit dem ‘Live In The City Of Light’-Konzert von 1987, eine DVD-Audioversion des Albums mit einem High-Quality 96/24 Stereo, 5.1. Mix und Promovideos, sowie ein 36-seitiges Booklet mit seltenen Fotos, neuen Interviews mit Jim Kerr und Charlie Burchill, und einem Track-by-Track Guide.

ONCE UPON A TIME DELUXE BOX
Super Deluxe Tracklisting
DISC 1

1. Once Upon A Time
2. All The Things She Said
3. Ghost Dancing
4. Alive And Kicking
5. Oh Jungleland
6. I Wish You Were Here
7. Sanctify Yourself
8. Come A Long Way

DISC 2 – Single mixes, B-sides and alternates
1. Don’t You (Forget About Me)
2. A Brass Band In Africa
3. Don’t You (Forget About Me) [Extended Version]
4. A Brass Band In African Chimes
5. Alive And Kicking [Edit]
6. Alive And Kicking [Instrumental]
7. Up On The Catwalk [Live] (Barrowland, Glasgow: 5th January 1985)
8. Alive And Kicking [7” Remix Edit] PREVIOUSLY UNRELASED
9. Alive And Kicking [12” Remix] PREVIOUSLY UNRELASED
10. Alive And Kicking [Kervorkian 12” Remix] PREVIOUSLY UNRELASED
11. Sanctify Yourself [Edit]
12. Sanctify Yourself [Instrumental]
13. Sanctify Yourself [Alternative Edit] PREVIOUSLY UNRELASED

DISC 3 – Single mixes, B-sides and alternates
1. Street Hassle [Live] (Ahoy, Rotterdam: 3rd December 1985)
2. Love Song [Live] (Ahoy, Rotterdam: 3rd December 1985)
3. Sanctify Yourself [Extended Mix]
4. Sanctify Yourself [Dub]
5. All The Things She Said [Edit]
6. Promised You A Miracle [US Remix]
7. All The Things She Said [Extended Version]
8. Don’t You (Forget About Me) [Live] (Ahoy, Rotterdam: 3rd December 1985)
9. Ghost Dancing [Special Extended 12" Remix]
10. Ghost Dancing [Instrumental]
11. Oh Jungleland [Special Extended 12" Remix]
12. Oh Jungleland [Instrumental]

DISC 4 – Live In The City Of Light
1. Ghost Dancing
2. Big Sleep
3. Waterfront
4. Promised You A Miracle
5. Someone Somewhere In Summertime
6. Oh Jungleland
7. Alive And Kicking

DISC 5 – Live In The City Of Light
1. Don’t You Forget About Me
2. Once Upon A Time
3. Book Of Brilliant Things
4. East At Easter
5. Sanctify Yourself
6. Love Song – Sun City – Dance To The Music
7. New Gold Dream

DISC 6 – DVD
Once Upon A Time – 5.1 Mix

1. Once Upon A Time
2. All The Things She Said
3. Ghost Dancing
4. Alive And Kicking
5. Oh Jungleland
6. I Wish You Were Here
7. Sanctify Yourself
8. Come A Long Way

Once Upon A Time – Stereo
9. Once Upon A Time
10. All The Things She Said
11. Ghost Dancing
12. Alive And Kicking
13. Oh Jungleland
14. I Wish You Were Here
15. Sanctify Yourself
16. Come A Long Way

Promo Videos
17. Don’t You (Forget About Me)
18. Alive And Kicking
19. Sanctify Yourself
20. All The Things She Said
21. Ghost Dancing

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